Lasst uns über Musik reden … und über Dieter Uebler

Dieter Uebler und das Geheimnis

des Village

,,Herzlich Willkommen zu unserem Konzert – und gleich zu Beginn eine Bitte: Redet nicht über Krankheiten – und keinesfalls über Politik! Sondern nur über Musik!«

VON HEIKE EVA SCHMIDT                                       BILDER ANJA KOSLOWSKI

Schon beim letzten Wort von Dieter Uebler bricht das Publikum in Applaus und Jubel aus. Seine Ansage hat Kultstatus, genau wie die Location. 

Wir befinden uns im VILLAGE, dem Musikclub im Oberland. Seit nunmehr 38 Jahren stehen dort Blues- und Rocklegenden auf der Bühne, bei deren Namen die Kenner ins Schwärmen kommen: Martin Turner, Ex-Wishbone Ash. Carl Verheyen, Gitarrist von Supertramp. Oder jüngst die jungen Wilden der bereits mehrfach mit Musikpreisen ausgezeichneten Zac Schulze Gang. Neben Lokalmatadoren wie Nick Woodland, Ludwig Seuss oder Sebastian Schwarzenberger kommen Bands aus England, Italien, USA und Frankreich ins verwunschen-abgelegene Mühltal.

 

Geheimnisvolles Mühltal 

Was ist das Geheimnis des Villages? ,,Hier spürt das Publikum die Magie und Strahlkraft von echter, unverstellter Live-Musik“, erklärt Oliver Jauch. Er und seine Frau Marion gehören zum Vorstand des 1999 gegründeten Vereins .,Village im Kulturtal Obermühle e.V.“ Dieser unterstützt die Aufrechterhaltung des Kulturbetriebs und ist von anfangs fünf auf inzwischen

über 250 Mitglieder angewachsen. Darunter viele Stammgäste, die „ihr“ Village lieben und treu unterstützen. Vor allem während Corona, als die Kulturbühne mehrere Monate schließen musste, haben diese neben dem Förderprogramm der
Bundesregierung Neustart Kultur – mit großzügigen Spenden für das Überleben des Clubs gesorgt. ,.Dabei haben wir nicht mal einen Aufruf gestartet“, zeigt sich Marion Jauch immer noch gerührt. Sie ist künstlerische Leiterin im Village, bucht die Bands und sorgt für einen reibungslosen Ablauf an den Konzertabenden. ,,Akquise ist nicht nötig“, schmunzelt die energiegeladene Frau mit den blonden Haaren. ,,Wir bekommen mehr Anfragen von Bands als wir unterbringen können.“
 

,.Ich hätte nie erwartet, das wir einmal so dastehen würden“, freut sich der 83-jährige Gründer Dieter Uebler.

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Ihr Mann Oliver, im wahren Leben Toningenieur und Sound Supervisor, der an den meisten Abenden Herr übers Mischpult ist, ergänzt: ,.Nicht nur das Publikum mag die Atmosphäre im Village. Auch die Künstler schätzen die persönliche Betreuung. die sie hier bei uns bekommen.“ Die reicht vom eigens gekochten Abendessen bis zum Soundcheck, der erst endet. wenn alle zufrieden sind.
 

Die 80er

„Ich hätte nie erwartet, dass wir einmal so dastehen würden“, freut sich der 83-jährige Gründer Dieter Übler. Die Idee für seine Musikkneipe entstand 1988, als der gebürtige Mittelfranke, damals noch Pharma-Vertreter eines Großkonzerns, für einen privaten Neustart nach Oberbayern kam. Bereits als Schüler der Rudolf Steiner Schule in Nürnberg hat er sich für Gitarren interessiert. ,,Nach Unterrichtsschluss hing ich immer bei einem Nürnberger
Gitarrenbauer herum und habe ihm zugeguckt“, verrät Uebler. Bald fing er an, selbst Instrumente zu bauen: „.. sehr zum Leidwesen meines Vaters. Eigentlich hätte ich in seiner Firma arbeiten sollen.“ Doch Uebler entschied sich für seinen eigenen Weg, der ihn schließlich nach Obereglfing führte. Der Pharmabranche überdrüssig. konzentrierte Uebler sich wieder auf seine Passion: Gitarrenbau. Darüber kam er in Kontakt mit dem damals bereits international bekannten Jazzmusiker Karl „Charlie“ Ratzer. Der lieh sich von Uebler mehrere seiner Saiteninstrumente für Auftritte. Parallel dazu wurde ein neuer Pächter für eine Kneipe in Obcreglfing gesucht. Der Rest ist Geschichte. ,,Die Bands kamen automatisch“, berichtet Uebler. Bedingt durch die Freundschaft mit Ratzer zunächst hauptsächlich im Bereich Jazz, doch schon bald traten die ersten Blues- und Rockmusiker auf. Die meisten nutzen bis heute das Village für einen Stopp während ihrer Tourneen. Oder sie entdecken das verborgene Juwel per Zufall, so wie einst Deep Purple. Deren Tontechniker packte die Band nach einer Plattenaufnahme im Tonstudio Tutzing einfach ins Auto und setzte sie samt Groupies im Village ab. Es wurde ein langer Abend an der Bar, wie ein Foto aus dem Archivschatz des Clubs beweist. Auch lan Chrichton, Gitarrist von Saga, war schon zu Gast, allerdings inkognito. Zu Besuch bei Freunden, wurde er ebenfalls auf den kleinen, aber feinen Club aufmerksam. Zufällig war gerade Donnerstag und somit Session, was bedeutet, dass jede*r Hobbymusiker*in sich vor Publikum ausprobieren kann. Ob mit anderen oder solo. Oliver Jauch erinnert sich. „Marion, Dieter und ich waren die Einzigen, die Chrichton erkannten. Er wollte zuerst aber gar nicht auf die Bühne.“ Allerdings nicht aus Dünkel – der Weltstar trug anlässlich seines Aufenthalts auf dem Land nämlich ein Paar Gummistiefel. Natürlich fand sich das passende Schuhwerk als Leihgabe und Chrichton schnappte sich eine von Ueblers Gitarren. „Erst viel später haben die meisten kapiert, mit wem sie da ein paar Riffs gespielt haben“, amüsiert sich das Ehepaar Jauch.
 

Kulturerhalt – Zusammenhalt

Nicht nur die Musik, sondern auch die Nähe zu den Bands, die sich meist unprätentiös und nahbar geben, genießen die Gäste. Ebenso wie die gesamte Village-Mannschaft. Viele arbeiten ehrenamtlich, worüber Marion Jauch sehr dankbar ist. ,,Kultur zu erhalten ist ein fragiles Konzept. Ohne Support ginge es nicht.“ Den gibt es auch von Musikerseite. So ist es Tradition, dass jedes Jahr zu Ueblers Geburtstag Roberto Morbioli mit seiner Band Morblus spielt. Oft kommt er dafür extra aus Verona nach Habach. Dort befindet sich seit dem Umzug 1997 der Musikclub in einem uralten Mühlengebäude, das zugleich das Zuhause von Uebler und seiner Familie ist. Tochter, Schwiegersohn sowie seine Enkelin mit Partner- sie alle wohnen mit ihm unter einem Dach. Jüngstes Mitglied ist Ueblers kleiner Urenkel, der die Soundchecks begeistert verfolgt – mit knallblauen Kinderkopfhörern. Denn laut wird es oft in der historischen Mühle, wenn die alten Haudegen am Bass und Schlagzeug loslegen. Morblus sind nicht die einzigen ,,Wiederholungstäter“, die Jahr für Jahr zurückkehren. Der meistgehörte Satz der Bands beim Betreten des Village lautet:

,,Feels like coming home.“

 

Erschienen in „Melange“ Nr.38, 2026

Sperrung B472

Leider ist die B 472 bis Ende August in Höhe Sindelsdorf (beide Autobahnzubringer betroffen) komplett gesperrt.

Für die, die von der Autobahn A 95 kommen gilt:

Abfahrt A 95 – Ausfahrt Penzberg/Iffeldorf abfahren
Durch Iffeldorf
Durch Antdorf
Habach – Kreisverkehr
Im Kreisverkehr Richtung Village – nicht in Ort fahren

 

Von Bad Tölz kommend (B 472) gilt:

Abzweig Penzberg abfahren
Nach Antdorf
Habach – Kreisverkehr
Kreisverkehr in Richtung A95 – nicht in den Ort fahren

Zurück jeweils gleicher Weg

Bitte plant ca 20 Min. mehr Fahrzeit ein.