Legendäre Sessions locken an jedem ersten Donnerstag im Monat nach Habach: im „Trödler“ spielt man Irish Folk, im „Village“ 1000 Meter weiter wird gebluest – und beides sollte man unbedingt mal erleben
Wechselnde Besetzungen teilen sich die Bühne bei der legendären Donnerstags-Session im Habacher Village. Links an der Percussion Organisator Hannes Schweiger. MR
VON MAGNUS REITINGER
Habach -Was an diesen Abenden passiert, das weiß vorher keiner so genau. Weder die Musiker, noch das.Publikum. Wer mit welchen Instrumenten auf der Bühne steht, welche Formationen sich finden, welche Songs gespielt werden, all das entsteht bei der Donnerstags- Session im Habacher Village spontan. Fest steht aber: Es lohnt sich, diese Abende zu besuchen. Denn sie sind immer familiär und oft ziemlich hochkarätig. Sie stecken voller Spielfreude. Und manchmal spielen hier unverhofft sogar Weltstars mit. So wie vor einigen Jahren ‚Ian Crichton, Gitarrist der berühmten Band Saga: Am Tag nach seinem Konzert in München war er beim Ausflug ins Grüne zufällig an der Obermühle vorbeigekommen, die seit 1997 das Village beherbergt. Und mit der Info, dass dieses Idyll ein Blues-Club seiend am eine Session stattfinde, war´s um den Profigitarristen geschehen. Seine Wanderstiefel tauschte er kurzerhand gegen Leihschuhe eines Mühlenbewohners – und das Village erlebte mit dem Saga-Star einen Abend, der Mitmusikern und Zuhörern unvergesslich blieb. Bis zur Covid-Pandemie gab es die Village-Session wöchentlich. ,,Das war für mich immer der Grund, warum ich ins Village gekommen bin“, sagt Percussionist Hannes Schweiger, der. längst zum Organisator dieser Treffen avancierte -und immer wieder, immer neu begeistert ist vom spontanen Zusammenspiel, das sich an diesen Abenden zwischen Pizza, Flammkuchen und feinen Getränken ergibt. Hier treffen bekannte Gesichter auf No-Names. Musikschüler auf Profis, „und oft sind sehr, sehr gute Musiker da“, weiß Schweiger. Dabei gehe es „immer sehr locker und lässig zu“. Die einzige Regel für die verschiedenen Formationen, die sich spontan ergeben, lautet: ,,maximal drei Stücke!“ -dann ist Wechsel.
Musiker und Zuhörer kommen von weit her
Mittlerweile ist im Village nur noch jeden ersten Donnerstag im Monat Session, doch die Legende lebt weiter. Musiker und Zuhörer kommen dafür aus dem gesamten Oberland und gern auch aus München. Und einer muss quasi nur die Treppe heruntersteigen: Dieter Uebler, Gründer und Seele des Clubs, eröffnet auch mit seinen 83 Jahren noch jede Village-Session: „Ich fange immer an und spiele ein bisserl falsch, danach traut sich jeder auf die Bühne“, grinst der Gitarrist.
Mitten in der Gaststube – ganz wie im Pub in Irland – spielen die Musiker der „John Herb Group & Friends·“ beim monatlichen lrish-Folk-Abend im Habacher Bistro zum Trödler. MR
Während bei den Village-Sessions Blues, Rock und Soul dominieren, lockt nur einen Kilometer weiter zur selben Zeit Folk von der grünen Insel: Beim kultigen Irish-Folk-Abend im Bistro zum Trödler, mitten in Habach, spielen an jedem ersten Donnerstag des Monats ,,John Herb Group & Friends“ – und laden zum Mitsingen ein. Statt auf einer Bühne wird hier am Tisch mitten in der Gaststube musiziert, und Wirt Reinhard Faht schenkt dazu Guinness vom Fass aus.
„Viele Besucher sind froh, dass Livemusik mal nicht so laut ist“, beschreibt Sänger und Multiinstrumentalist Markus Pause eine Besonderheit dieser Unplugged-Auftritte in der gemütlichen Stube, bei denen die Gäste meist speisen, dann aber bald mitsingen. Die „John Herb Group“ schöpft dabei, ganz nach Stimmung, aus gut 300 Songs und Tanzmelodien, teilt auch mal Textblätter aus – und freut sich am Ende über eine Gabe in den Spendenhut. ,,Wir wollen, dass die Zuhörer und wir selber mit einem Lächeln im Gesicht heimgehen“, sagt Pause. Und es gab in Habach wohl noch keinen ersten Donnerstag des Monats, an dem das nicht gelungen wäre.
